Kind zweisprachig erziehen – Die zweisprachige Kindererziehung

Das Kind zweisprachig erziehen und aufwachsen lassen: das sollten Sie beachten. Tipps und wichtige Infos für eine zweisprachige Erziehung der Kinder finden Sie hier!

Nehmen Sie sich 4 Minuten Zeit und lesen Sie diesen Beitrag aufmerksam durch!

Kinder lesen ein Buch

Kinder lernen (Quelle: pixabay.com)

Die Bedeutung einer zweisprachigen Erziehung

Es ist wissenschaftlich erwiesen: Kinder lernen Sprachen deutlich einfacher und schneller als Erwachsene. Noch dazu ist dieser Lernprozess für sie – anders als im fortgeschrittenen Alter – nicht mit größeren Anstrengungen verbunden. Zudem ist es für das Kind auch kognitiv von Vorteil, bilingual aufzuwachsen. So wird sein Sprachbewusstsein geprägt. Abgesehen von diesen Vorteilen bringt die zweisprachige Erziehung jedoch auch Herausforderungen für den Sprössling mit sich.

Häufig verwenden zweisprachig aufwachsende Kinder in Gesprächen unpassende Wörter oder fehlerhafte Satzkonstruktion. Auch wechseln sie oftmals zwischen den beiden Sprachen hin und her oder können die richtige Vokabel nur in einer Sprache nennen. Das liegt daran, dass sie pro Sprache einen geringeren Wortschatz haben. Dies ist allerdings bei Weitem kein Anlass zur Sorge. Schließlich lernt das Kind durch diese Erfahrung, sprachliche Missverständnisse im Alltag zu bewältigen und zu korrigieren. Erst ab einem Alter von etwa vier Jahren findet beim Kind der Prozess einer bewussten Sprachtrennung statt.

Die Zweisprachigkeit beschränkt sich trotz des Namens nicht nur darauf, zwei Sprachen gleichermaßen zu beherrschen. Kinder lernen so außerdem, mit komplexen Situationen umzugehen und diese zu meistern.

Was gilt es zu beachten?

Sofern Sie als Elternteile verschiedene Muttersprachen haben, ist es empfehlenswert, mit Ihrem Kind stets in der eigenen Muttersprache sprechen. So kann es den Eltern jeweils eine Sprache zuordnen. Dies funktioniert allerdings nur, wenn Sie als Eltern die Muttersprache Ihres Partners verstehen.

Wenn alles vor den Augen des Kindes noch einmal übersetzt werden muss, wird es sich fragen, aus welchem Grund es überhaupt zwei Sprachen lernen soll.

Muttersprache hat Vorrang

Das Bedürfnis, mit dem Kind in der eigenen Muttersprache zu kommunizieren, muss stets Vorrang vor eine etwaigen Sprachvermittlung haben. Schließlich ist die elterliche Beziehung zum eigenen Kind wichtiger als das Vorhaben, ihm eine bestimmte Sprache nahezubringen.

Dennoch wird die bilinguale Erziehung Sie als Eltern von Zeit zu Zeit vor Probleme stellen. Die Sprache des Landes, indem Ihre Familie lebt, wird wohl die vorrangige Rolle im Leben des Kindes einnehmen. Deshalb sollten Sie ganz klar vereinbaren, welche Anforderungen Sie an die Zweisprachigkeit stellen und welche Stellung die zurücktretende Sprache genau einnehmen soll.

Bücher, Musik, Filme und mehr

Wenn diese Bedeutung dennoch umfangreicher ausfallen soll, helfen Materialien wie Bücher, Musik oder Filme. Auch Reisen in Länder mit der Landessprache oder Gespräche mit Verwandten und anderen Muttersprachlern sind äußerst nützlich.

So kann die Sprache im Bewusstsein Ihres Kindes verankert werden. Gleichzeitig dürften Sie es aber nicht unter Druck setzen. Sicherlich wird das Kind Phasen durchleben, in denen es eine der Sprachen zurückweist. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine vorübergehende Handlung. Wichtig ist, dass Ihr Kind sich stets den Spaß an Sprachen bewahrt.

Zudem durchläuft die Zweisprachigkeit des Kindes verschiedene Zustände. Mal überwiegt eine Sprache, dann wiederum die andere. Dies hängt von mehreren Umständen ab, wie beispielsweise dem Aufenthaltsort, dem Themengebiet, das besprochen wird, oder dem verstärkten Kontakt zu einem Elternteil.

Die Konsequenz der Erziehung

Wie konsequent die Sprachzuweisung der Elternteile durchgehalten wird, stellt ein zentrales Element der bilingualen Erziehung dar. Der Alltag wartet stets mit Situationen auf, welche die Eltern zwingen, die ursprünglich geplante Sprachaufteilung kurzfristig aufzugeben. Die Ausnahmen von der Konsequenz sollten Sie bewusst und gezielt setzen. Einerseits müssen Sie die Sprachen-Trennung beibehalten, um dem Kind die genaue Differenzierung zu erleichtern. Andererseits muss der alltägliche Umgang Ihres Nachwuchses mit Sprachen stets lebendig und natürlich sein.

Das soziale Umfeld

Pflegen Sie Kontakte zu Personen, die die Nicht-Umgebungsprache sprechen, also die zweite Sprache Ihres Nachwuchses. So stellen Sie sicher, dass Ihr Kind von sprachlichen Vorbildern umgeben ist und es weitere Möglichkeiten hat, die Zweitsprache zu nutzen. Auf diese Weise schaffen Sie ein Umfeld, indem das Kind die Sprache ganz natürlich wahrnimmt und selbst praktizieren kann.

Bestimmt gibt es in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis oder Ihrer Familie Personen, die bislang keine Erfahrungen mit Zweisprachigkeit gemacht haben. Deshalb ist es wichtig, dass Sie diese Menschen über die Bedeutung der zweisprachigen Erziehung aufklären und sowohl positive Aspekte als auch Herausforderungen aufzeigen. Nur so können Sie die angestrebte Konsequenz der Sprachen-Trennung aufrechterhalten und Ihrem Kind ein schlüssiges Umfeld eröffnen.

Einsprachige Eltern – Zweisprachige Erziehung?

Auch einsprachige Eltern hegen oftmals den Wunsch, ihr Kind in den Genuss einer bilingualen Erziehung kommen zu lassen. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten. Wenn Sie als Eltern die zweite Sprache nicht perfekt beherrschen oder nur einen unzulänglichen Wortschatz haben, wird sich das auch auf den Nachwuchs auswirken. Grammatikfehler der Eltern sowie Verständigungsschwierigkeiten übertragen sich auch auf das Kind, schließlich sieht es die Eltern als Vorbilder und imitiert Sie.

Wer seinem Kind aber dennoch die Vorteile einer zwei- oder mehrsprachigen Erziehung bieten möchte, für den empfiehlt sich ein zweisprachiger Kindergarten. Hier wird zunächst auf Basis von Gestik und Mimik vermittelt, wie man die fremde Sprache spricht, sodass Ihr Kind schnell Lernerfolge zeigen wird. Trotzdem müssen Sie bei dieser Methode realistische Erwartungen an den Fortschritt haben. Ihr Nachwuchs wird etwa vier Jahre brauchen, bis er sich tatsächlich der Zweitsprache zur Verständigung bedient. Zunächst aber wird das Kind lediglich Lieder oder Spiele erlernen. Zumindest ist so aber der Grundstein dafür gelegt, seine Sprachkenntnisse zu vertiefen, ohne dass ein Risiko einer fehlerhaften Erziehung des Sprösslings besteht.